
Augen geöffnet - Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet. Vieles, was uns aus der Schule und aus den Medien über die Rote Armee bislang eingetrichtert wurde, entspricht einem historischen Zerrbild. Schön, dass Bogdan Musial den Mut gefunden und die Fleißarbeit auf sich genommen hat, dieses Bild zu objektivieren. Die Fakten sind gut recherchiert, der Text ist fesselnd und spannend geschrieben. Selten hat mich ein Buch gleichsam fasziniert und zum Nach- und Umdenken angeregt.Am 5. Mai 1941, wenige Tage vor Beginn des Ostfeldzuges, ließ Stalin seine Maske endgültig fallen. In einer Rede vor den Absolventen der Moskauer Frunse-Militärakademie sagte er offen: Jetzt, da wir unsere Armee zu Genüge mit Technik für den modernen Kampf ausgestattet haben, müssen wir von der Verteidigung zum Angriff übergehen. Die Kriege mit Polen und Finnland waren keine Verteidigungskriege. Wir haben den Weg der offensiven Politik bereits eingeschlagen. Die Rote Armee ist eine moderne Armee und eine moderne Armee ist eine Angriffsarmee!Vier Jahre später hatte Stalin sein Ziel erreicht: Europa lag in Trümmern - und die Vorhut der kommunistischen Revolution, die siegreiche Rote Armee, stand in Berlin und an der Elbe, mitten im Herzen Europas!
Nichts Neues .... - Dass Hitler und Stalin beide einander überfallen wollten, wissen wir seit den Werken von Suworov längst.Da gab es auch keine ernsten Zweifel mehr, so dass Musials Buch nichts Neues mehr beitragen kann.
Deutschland, der Schlüssel zur Weltrevolution - Als Wladimir Iljitsch Uljanow alias Lenin und seine Bolschewiken 1917 nach der Macht in Russland griffen sah man den Durchbruch der Weltrevolution gekommen und bemühte sich auch nach dem Kriegsende 1918 die Revolution aus dem nunmehr sowjetischen Russland zu exportieren. Doch gerade der neu wiedererstandene polnische Staat bildete eine massive antibolschewistische Trennlinie, die alle Weltrevolutionspläne Lenins zunächst zu vereiteln mochte. Doch aufgrund seines Industriepotentials und der strategisch günstigen Lage, erschien Deutschland als Schlüssel zur Sowjetisierung Mitteleuropas unverzichtbar, weshalb Lenin den Volkskommissar für Kriegswesen, Leo Trotzki schon bald damit beauftragte, Truppen für einen Einmarsch in Polen bereitzustellen. Sollte die Revolution nicht von selbst beginnen, würde man notfalls mit Waffengewalt nachhelfen.1920 kam Marschall Józef Pilsudski den Sowjets zuvor und polnische Truppen griffen im ukrainischen Abschnitt der polnisch-sowjetischen Grenze an. Innerhalb der nächsten Wochen errangen sie bemerkenswerte Erfolge und konnten am 7. Mai in Kiew einmarschieren, bis der sowjetische Gegenangriff ins Laufen kam. Die Schlacht um Warschau wurde zum Wunder an der Weichsel und Polen gelang es die angreifenden Russen bis in die Ukraine zurückzudrängen. Geschlagen musste sich die sowjetische Führung auf den Frieden von Riga einlassen. Im geheimen entwickelte sich jedoch in Folge dieser Ereignisse eine deutsch-sowjetische militärische Zusammenarbeit, die von 1921 bis 1933 dauern sollte, denn beide Länder verachteten neben Polen auch den Friedensvertrag von Versailles, dem sie anstatt von friedensstiftenden eher hegemoniale Absichten Frankreichs unterstellten.Laut dem Historiker Bogdan Musial ist das, die entscheidende Vorgeschichte, der sowjetischen Rüstungsstrategien und Kriegspläne bis zum Angriff der Deutschen Wehrmacht am 22. Juni 1941. Unter Nutzung von teilweise erst kürzlich veröffentlichten Quellenwerken und Archiven in Russland, wagt sich der Autor an eine akkurate und durch die Quellen gesicherte Darstellung der sowjetischen Militärpolitik von 1919 bis 1941, unter Konzentration auf Polen und in weiterer Folge Deutschland, heran.Durch Einsicht in die Originalberichte der militärischen und politischen Führung der Sowjetunion gelingt es dem Autor den Mythos der größten und schlagkräftigsten Armee zu brechen und als drastisch überschätzt darzustellen. Aus schockierenden Inspektionsberichten geht hervor, in welch maroden Zustand sich die Rote Armee nach Ende des Bürgerkrieges befand. In einem Bericht der politischen Verwaltung des Revolutionären Kriegsrates der Republik vom August 1922 heisst es etwa Rotarmisten der 1. Grenzdivision betteln an der Verbindungsstelle unserer und der polnischen Eisenbahn bei den durchreisenden Ausländern. Barfüßige und zerlumpte Rotarmisten erscheinen als undisziplinierte Soldaten, Ausländer fotografieren sie und glauben, so sei die ganze Rote Armee. (Seite 93)Hinzu kam, dass seit 1920 zahlreiche der großen Städte durch den Mangel an Kohle, Lebensmitteln und Industriewaren fast entvölkert waren, während Aufstände und blutige Gegenmaßnahmen das Land erschütterten.Erst Lenins NÖP-Programm konnte die katastrophale Wirtschaftslage langsam aber beständig verbessern und Ende der 20er-Jahre zur verstärkten Aufrüstung der Roten Armee führen, die von ihrem Bürgerkriegsstand mit über 5 Millionen Soldaten auf 600.000 (1924) reduziert wurde. Nicht zuletzt durch den roten Napoleon Marschall Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski konnte eine Reform der Roten Armee erfolgen, die diese wieder näher an das von der Propaganda gestützte Ideal heranbrachte. Entgegen der mitunter propagierten Friedfertigkeit der Sowjetunion, formulierte Leo Trotzki in einem Vortrag vom 19. Mai 1924 (Seite 110) bereits die Eckpunkte eines künftigen totalen Krieges der UdSSR, der nicht mehr rein gegen feindliche Armeen sondern auch Volk und Gesellschaft geführt werden sollte: Flugzeuggeschwader von enormer Traglast und Reichweite transportieren [chemische Waffen] in das tiefe rückwärtige Gebiet und vernichten damit nicht nur die [traditionelle] Front, [...] sondern heben auch den Unterschied zwischen der Armee und der Zivilbevölkerung auf. Wir haben nicht einmal gesagt, dass im künftigen Krieg nicht nur die Armee kämpfen wird, sondern das ganze Volk.Schlussendlich lautet auch Bogdan Musials Resümee dass der deutsche Erstschlag von 1941, genauso gut von Seiten der UdSSR hätte erfolgen können, die zu diesem Zeitpunkt allerdings gerade ihre Streitkräfte mit den neuesten Produkten konsequenter Rüstungspolitik (wie die ersten MiG-Baureihen und T-34 Panzer) ausstatte. Zum Mythos verklärt wurde auch bereits die Friedfertigkeit der UdSSR, der spätestens aber mit der historisch gesehen vierten Teilung Polens am 17. September 1939 und dem Winterkrieg vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940 gegen Finnland eine klare Absage erteilt wurde, wenn man die ursprüngliche Annexionspläne und das brutale Vorgehen gegen die Bauernaufstände außer acht lässt.Für sich genommen ist Kampfplatz Deutschland ein interessantes Werk zur sowjetischen Rüstungspolitik in der Zwischenkriegszeit. Neben einer durch den Autor vorgezeichneten Schilderung der Ereignisse, erhält man auch durch Zitate immer wieder Einblick, in die von ihm studierten Originaldokumente, welche durch diverse Statistiken noch hervorragend ergänzt werden. Darüber hinaus kann man das Buch auch als Geschichte der Sowjetunion in der Zwischenkriegszeit betrachten. Fazit:Ein eindrucksvolles Buch über die sowjetischen Kriegspläne gegen Deutschland, das man auch gut und gerne als historische Analyse sowjetischer Rüstungspolitik von 1919 bis 1941 (Ende 1940) betrachten kann.
Polnische Geschichtspolitik - Es ist ein Ärgernis. Bogdan Musial, früherer Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Warschau und derzeit beim polnischen Institut des nationalen Gedenkens beschäftigt, geht schon seit ein paar Jahren den sowjetischen Angriffsplänen auf Europa nach. Er hat dabei in Moskau neue Quellen erschließen können, die den Beginn der sowjetischen Mammutrüstung im Jahr 1929 betreffen und konnte die von vornherein damit verbundene Absicht nachweisen, Polen, Deutschland und Europa anzugreifen. Diese Arbeiten Musials waren innovativ und gewinnbringend. Nun legt Musial als Abschluss dieser Forschungen mit Kampfplatz Deutschland jedoch ein Buch vor, das am Ende ein groteskes Bild zeichnet. Der Eiertanz um die Präventivkriegsthese erreicht einen neuen Höhepunkt.Die Behauptungen von der sowjetischen Bedrohung Deutschlands, die zwar real war, von der Hitler in Wirklichkeit gar keine Kenntnis hatte, dienten nur als Vorwand, um den Überfall (auf die UdSSR) zu rechtfertigen. Wir erfahren von Musial auf Seite 462 nun also, daß alles weitgehend der Wirklichkeit entsprach, was die Nationalsozialisten seit den zwanziger Jahren immer über die sowjetischen Pläne gedacht und ausgesprochen hatten, daß sie aber davon eigentlich nichts wussten. Die internationale Politik wird hier zur Farce erklärt, zumal auch noch Stalin, wie wir von Musial im weiteren erfahren, von einem geplanten deutschen Angriff angeblich nichts wusste. Um diese Volte zu schlagen, muss Musial etliche entscheidende Dokumente ignorieren, auf die andere Historiker wie Scheil oder Strauss hingewiesen haben. Den Schukow-Plan beispielsweise ebenso wie Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan, in der sich der Diktator 1936 besorgt über die Bedrohung durch die Militärmacht Sowjetunion äußerte. Daß Schukow, der Generalstabschef der Roten Armee, im Mai 1941 an Stalin über den dringend nötigen und bereits angelaufenen Angriff der sowjetischen Truppen auf die deutsche Wehrmacht berichtet hat, weiß Musial offenbar nicht. Er verkündet statt dessen ohne weiteren Beleg, die Rote Armee hätte frühestens im Jahr 1943 angreifen können. Die Details des Hitler-Molotow-Gipfels von 1940 mit der sowjetischen Aufkündigung des Abkommens über die Interessensphären verschweigt er ebenso wie sämtliche im Vorfeld des Angriffs belegten Äußerungen des deutschen Diktators, er fürchte einen sowjetischen Angriff. Warum Musial zu diesem Vorgehen gegriffen hat, muß offen bleiben. In jedem Fall reduziert dieses Vorgehen den durchaus vorhandenen wissenschaftlichen Wert seiner Arbeit in Bezug auf die sowjetische Rüstung drastisch. Dazu gesellt sich noch eine spürbare Rücksichtnahme auf die speziellen Vorgaben nicht nur deutscher, sondern auch polnischer Geschichtspolitik. So stellt sich Musial auf den Standpunkt, in der Umgebung der nach dem Ersten Weltkrieg völkerrechtlich als Hauptstadt Litauens anerkannten Stadt Wilna und in der Stadt selbst habe es bis 1939 keine Litauer gegeben, womit natürlich die fast zwei Jahrzehnte dauernde Okkupation von Stadt und Land durch polnische Truppen in einem milderen Licht erscheint. Außerdem man kommt aus dem Staunen nicht heraus sei zwar der deutsche Angriff auf die UdSSR 1941 kein Präventivkrieg gewesen, der polnische Angriff von 1920 aber schon. Aus Josef Pilsudskis fehlgeschlagenem Versuch, mit einem Russlandfeldzug das polnische Ostimperium von 1772 zurückzuerobern, wird hier in eleganter Weise ein Verteidigungskrieg konstruiert.Die Reihe an unzutreffenden Behauptungen, falschen Schlussfolgerungen aus den zitierten Papieren und verschwiegenen Tatsachen ließe sich beachtlich vermehren. Es steht dennoch zu befürchten, daß Teile der deutschen Publizistik in die Karrotte beißen und Musial als Kämpfer gegen den Mythos der friedliebenden Sowjetunion feiern werden. Wenigstens das ist er immerhin auch.
Nur die halbe Wahrheit und für Historiker nichts neues. - Bogdan Musial sollte eigentlich bewandert genug sein, um nicht der Legende eines erst für 1943 geplanten sowjetischen Angriffs aufzusitzen. Es ist der Urstreit der Historiker um den zweiten Weltkrieg. Hat Hitler nur auf Stalins Handeln reagiert, oder wollte er von vornherein die Sowjetunion erobern? War Hitler vielleicht der Retter Europas vor dem bolschewistischen Koloss? Einig ist man sich inzwischen darüber, das Josef Stalin, seines Zeichens ehemaliger Bankräuber und Revolutionär, eine gigantische Militärmaschinerie aufbaute um die Revolution gen Westen und Süden zu tragen. Uneinig ist man sich über den Zeitpunkt. Und im Zeitpunkt des geplanten Angriffs liegt der Sprengstoff. Während Leute wie Wladimir Resun, Post, Messerschmitt und andere davon ausgehen, das Stalin den Angriff für den Spätsommer 1941 vorsah, und dieses mit militärischen Fakten untermauern, geht die Historikerelite der 68er weiter davon aus, das Stalins Rote Armee, im Gegensatz zu Hitlers Wehrmacht, nicht Angriffsbereit war, und führt dafür trotz fortschreitenden Wissens die ständig gleichen Argumente an.Als erstes kommt meist das schlagkräftigste Argument. Die stalinistischen Säuberungen der Jahre 1936 bis 1938 hätten die Rote Armee ihrer wichtigsten Militärtheoretiker und Führungskräfte beraubt. Sicher ist es richtig, dass die Säuberungen einen schweren psychologischen Schlag darstellten. Drei von 5 Marschällen, 4 v. 4 Armeegeneralen, 27 v. 27 General Obersten, 85 v. 95 Korpskommandanten, 136 v. 199 Div. Kommandanten, 255 v. 433 Brigade Kommandanten und 98 von 108 Kriegsratsmitgliedern wurden verhaftet. Diese wurden aber bei weitem nicht alle umgebracht! Viele kamen 1941 wieder in Dienst! Effektiv wurden 17.000 Offiziere aus der Roten Armee ausgeschlossen, 9.500 davon verhaftet. Zwischen 1925 und 1937 wurden 135.000 Offiziere und 13.000 Kommandeure bei der Roten Armee ausgebildet. 1938 und 1939 kamen zudem Kommandeure hinzu, die sich auszeichneten und jeden Weggang durch die Säuberung ausglichen. Von der Akademie (Frunze Akademie) des Generalstabes die 1937 gegründet wurde, gingen bis 1941 4.000 Teilnehmer erfolgreich ab! Diese standen ab 1939/40 unter dem Einfluß von Timoshenko, Schukov und Pavlov. Falsch ist anzunehmen, das der Sturz von Tuchatschewski, Jegorow und Blücher (Blüjerc) die moderne Militärtheorie der Sowjetunion zerschlagen hätte. Der Beleg sind die militärischen Erfolge der Roten Armee am Chassan See und Chalchin Gol (Südmongolei 1938 und 1939) sowie die erfolgreiche Angriffsoperation in Karelyen (Winterkrieg 1939/40 Finnland/Sowjetunion). Die Rote Armee wurde zwar zu einem Großteil enthauptet, jedoch blieben die wahren Köpfe am Leben und viele im Amt. Zudem wuchs eine Militärelite nach, die nach den Lehren des sowjetischen Hauptmilitärtheoretikers, Marschall der Sowjetunion und ehem. Zarengenerals B. M. Schaposchnikow ideologisiert und ausgebildet wurden. Zu diesen Leuten zählten Köpfe wie Schukow, Wassilevski, Bagramjan (Bagration), Rokossowski, Pavlov (der sowjetische Guderian), Merezkov, Sacharow, Konew, um einige zu nennen. Man sollte dabei auch nicht vergessen, das trotz des Aderlasses im Offizierskorps, die Rote Armee von 1938 bis 1941 verdreifacht wurde. Auch dies spricht gegen eine große Auswirkung der Säuberungen. Das Regime Stalin war in der Lage die Säuberungen nicht nur zu kompensieren, nein es war sogar in der Lage seine Truppenstärke in kürzester Zeit zu verdreifachen! Zudem hat schlechte Führung noch nie einen Kriegswilligen vom Kriege abgehalten. Das Argument der Fehlenden Kriegsbereitschaft wegen Umrüstungen.Das militärhistorische Forschungsamt stellt im vierten Band, Das deutsche Reich und der zweite Weltkrieg - Der Angriff auf die Sowjetunion, die Kräfte beider Kriegsparteien gegenüber. Zudem ist der Gegenüberstellung ein umfangreiches Kartenbuch beigefügt, aus dem nochmals die Aufstellung der Truppen hervorgeht. Bewusst wird der Ausdruck Überfall, wie er gern von Historikern wie Guido Knopp verwendet wird, vermieden. Denn ein Überfall setzt Arglosigkeit voraus. Am 20. Juni 1941 verfügte die Sowjetunion an Ihrer Westgrenze über 149 Divisionen der ersten strategischen Staffel (Gesamtmenge aller drei Staffeln der Westbezirke lag bei 303 Divisionen) mit insgesamt 23.500 Panzern, davon 1.861 schwere und überschwere Panzer der Typen T-34, und KV 1 + 2, 148.000 Geschütze und Granatwerfer, davon 68.000 mit Kalibern über 76mm (Resun/Suworow), vom 01.01.1939 bis 22. Juni 1941 17.745 Flugzeuge produziert. Davon 7.669 moderne Kampfflugzeuge der Typen LaGG3 (1.200), Yak1 (800), Mig3 (800), PE2 (960), SU2 (960) und IL2 Sturmovik (260!), DB3, LI-2, SB-2 Bomber usw. (Resun/Post/ Boog/Förster/Hoffmann/Klink/Müller/Ueberschär), davon standen 14.600 im Westen. 4,27 Millionen Mann standen im Westen unter Waffen. Demgegenüber stand die Deutsche Wehrmacht mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln. Sie trat mit weniger Kriegsmaterial gegen die Rote Armee an, als ein Jahr zuvor gegen Frankreich. 3,05 Millionen Mann, 3.505 Panzer, von denen nur 1.673 als kampfstark galten (Panzer III, IV und Sturmgeschütz IIIb), 4.760 leichte Geschütze (75mm), 104 Heeres Flak 8,8 cm, 2.252 schwere Gschütze (105mm bis 170mm), 30 Geschütze schwersten Kalibers (Steilfeuer/Flachfeuer wie Thor und Dora) sowie 2.400 Flugzeuge. Die Rote Armee verfügte also mit Ihren neuen Panzern als einzige Macht der Welt über moderne Panzer. Sie besaß mehr moderne Jagd und Kampfflugzeuge als die deutsche Luftwaffe, ihre Mannschaftsstärke war erheblich größer. Wenn Hitler also mit seiner Wehrmacht 1941 mit diesen bescheidenen Kräften angreifen konnte, obwohl er nicht ein einziges Schlachtflugzeug, keinen einzigen modernen Panzer und nur extrem geringe Vorräte besaß, warum hätte Stalin mit seiner Roten Armee nicht angreifen können? Weil sich die Rote Armee in der Umrüstung befand, und noch nicht viele moderne Panzer und Flugzeuge hatte, sagen unsere Historiker. Aber sie vergessen eines: Jede Armee befindet sich in ständiger Umrüstung und Hitler hatte nicht einen einzigen modernen Panzer! Der Angriff der Wehrmacht auf Polen am 01.09.1939 erfolgte mit einer nur Teilausgerüsteten Truppe. Die Munitionierung lag bei den Panzertruppen nur bei 15% - 60% des Solls. Warum also sollte Stalin nicht angreifen können?Der unvollkommene Aufmarsch der Roten ArmeeAls am 18. Dezember 1940 die Weisung Nr. 21 Fall Barbarossa erteilt wird, geschieht dies laut der Historikerelite allein aufgrund der schon in Hitlers Mein Kampf geschaffenen Lebensraumtheorie und weil Hitler darin den Schlüssel im Kampf gegen Engeland sieht. Doch entspricht das den Tatsachen? Tatsächlich kommt es nach dem Überfall der Sowjetunion auf Polen am 17.09.1939 nicht zu einer Kriegserklärung Frankreichs und Englands an Stalin. Auch die weiteren Drangsalierungen und Eroberungen Stalins bleiben ohne Folgen für die Sowjetunion. Stalin bezieht weiter Rüstungsgüter und Know How aus den USA und Großbritannien. Zudem erhält er vom Deutschen Reich technische Unterstützung und neueste Waffentechnologie gegen Rohstoffe. Sowjetische Fachleute besuchen die Messerschmitt Werke, die Junkers Werke, Henschel, Krupp, Thyssen und alle anderen Rüstungsbetriebe. Stalin ist nach allen Seiten offen. Und das trotz seiner aggressiven Eroberungspolitik. Der Knackpunkt zwischen dem deutschen Reich und der Sowjetunion kommt am 28. Juli 1940, als die Sowjetunion Rumänien erpresst und sich die Nordbukowina, Bessarabien und Nordmoldau einverleibt. Damit verschiebt sich der Aufmarschraum der Roten Armee auf 180 Kilometer an die für das Deutsche Reich lebenswichtigen Erdölfelder um Ploesti (Rumänien). Im August 1940 schlägt der Wehrmachtsführungsstab die Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe nach Rumänien vor. Hitler stimmt dem zu und das XXXX. Mot. Korps wird gen Rumänien in Marsch gesetzt. Bis dahin stehen an der Ostgrenze des Reiches nur 10 Infanteriedivisionen des AOK 18 im Generalgouvernement (Westpolen), während auf sowjetischer Seite schon über 100 Divisionen aufmarschiert sind. Bis in den Februar 1941 scheint sich der Wehrmachtsführungsstab noch nicht sicher zu sein, ob Barbarossa überhaupt im Jahre 1941 stattfinden kann. So sagt Alfred Jodl noch im März 1941: Wenn die Rüstungslage dazu zwingt, muss der Ostfeldzug eben auf 1942 verschoben werden. Es ist keine gebieterische Notwendigkeit für den Sieg gegen Engeland. Hintergrund ist die Mangelhafte Ausführung der Rüstungsforderungen Hitlers. Die Industrie ist nicht auf Kriegsproduktion eingestellt. Es werden nur Kleinserien gefertigt. Baut man mehr Geschütze, leidet die Munitionsproduktion. Baut man mehr Panzer, werden weniger U-Boote gebaut. Ganz anders sieht es in der Sowjetunion aus. Während in Deutschland 1940 nur 10% des Staatshaushaltes in die Rüstung fließen, sind es in der Sowjetunion 30%. Im ersten Halbjahr 1941 verschlingt die Aufrüstung schon 46% des Staatshaushaltes der Sowjetunion! Eine echte Kriegswirtschaft zu Friedenszeiten. Hintergrund hierfür sind die Lehren Schaposchnikows nach denen Stalin lebt. Er hält das Land in ständiger verdeckter Mobilmachung. Vor jeder Eroberung folgt eine Mobilmachung mit der Begründung, man müsse das neue Gebiet besetzen. So wächst die Rote Armee unauffällig, denn die mobilisierten Kräfte werden nicht wieder abgebaut nach der Eroberung. Während das Deutsche Reich es nicht schafft 300.000 Soldaten aus der Wehrmacht in die Rüstungsbetriebe zu schaffen, mobilisiert Stalin im Mai 1941auf einen Schlag 800.000 Reservisten, womit das Westheer auf über 5 Millionen Mann ansteigt. Im Vorwege ergehen Mobilmachungsbefehle: Laut MP-1941 sollen alle Truppen im Frühjahr 1941 auf volle Truppenstärke gebracht werden. Als Termin wird Laut Befehl Nr. 008130 d. Kriegsrates d. UdSSR, Vollstreckung vom 26 März 1941 bis 15. Juni 1941, für den Westl. Bes. Militärbezirk Angeordnet. Ähnliche Weisungen gehen an alle anderen Militärbezirke (z.B. Balt. bes. Militärbz. Befehl Nr. OM/00159 mit Terminierung von 31 Mai bis 2. Juni 1941). Stalin lässt also Mobilmachungsbefehle im März 1941 mit Abschluss bis 15. Juni 1941 geben! Er entzieht im Mai 1941 800.000 Rüstungsarbeiter und Bauern der Industrie und Landwirtschaft. Wozu eine Mobilmachung, wenn man nicht Angreifen will? Im März 1941 war die Wehrmacht noch nicht Aufmarschiert. Eine Verteidigung scheidet also aus! Seit Anfang 1941 befinden sich zu den Vorhandenen Truppen weitere 21 (!!!) mechanisierte Korps in Aufstellung. Jedes mit einer Sollstärke von 1.053 Panzern! Bei Lemberg und Bialystock werden Grenzbefestigungen abgebaut. Die besten Truppen der Roten Armee werden dort unter die Führung der Generale Pavlov und Schukov gestellt, unter anderem alle Truppen die schon am Chalchin Gol siegten. Aufklärungsfotos der deutschen Luftwaffe belegen im gesamten Grenzraum überbelegte Flugplätze, die neben tausender von Flugzeugen jede Menge Abwurfmunition offen gelagert zeigen. In den Wäldern der Ukraine und der Bukowina stapelt die Rote Armee offen Artilleriemunition, an den Verladebahnhöfen verstopfen zigtausend Nachschubzüge die Gleise. All das sind Indizien für einen direkt bevorstehenden Angriff der Roten Armee. Die Aufstellung der Truppen ist eine exakte Kopie von Schukovs Aufmarsch am Chalchin Gol. Schukov wird diesen Aufmarsch noch mehrere Male wiederholen. Unter anderem bei Stalingrad 1942 und im Januar 1945 an der Weichsel. Zu diesem Aufmarsch äußern sich Schukov und GenMaj. Grigorenko wie folgt: Die Aufstellung wäre in dieser Form nur in einem Falle gerechtfertigt, und zwar dann, wenn diese Truppen dazu bestimmt gewesen wären, plötzlich zum Angriff überzugehen. Andernfalls waren sie sofort zur Hälfte eingeschlossen. Der Gegner brauchte nur zwei einander begegnende Schläge an der Basis unseres Keils auszuführen und die Einkreisung war vollständig Stalins, TimoshenkovŽs und ShukovŽs einzige Fehlkalkulation war 1941 die Aufmarschgeschwindigkeit der Wehrmacht. Diese war, bedingt durch die höhere Leistungsfähigkeit des deutschen Eisenbahnnetzes und den engeren Aufmarschraum, schneller im Abschluss des Aufmarsches als die Rote Armee. So konnte es geschehen, das die Wehrmacht vor der Roten Armee losschlug. Sie fuhr in den Empfindlichsten Teil eines angehenden Krieges: Den Aufmarsch des Gegners!