Zweiter Weltkrieg : Iwans Krieg: Die Rote Armee 1939-1945

Iwans Krieg: Die Rote Armee 1939-1945

EUR 9,95


Mit ihrer aufwendig recherchierten Sozialgeschichte der Roten Armee beleuchtet Catherine Merridale eine von der historischen Forschung bislang sträflich vernachlässigte Seite der Geschichte der Sowjetarmee während des Zweiten Weltkriegs. Waren aus den unterschiedlichsten Perspektiven bisher vor allem die Heerführer und Militärstrategen Gegenstand der Betrachtung, richtet die englische Historikerin den Fokus auf die im (auch russischen) Volksmund Iwan genannten einfachen Soldaten. Unter welchen Umständen lebte, kämpfte und starb der gemeine Rotarmist? Welche Ängste und Hoffnungen trieben ihn um? Wie ging er damit um, völlig unzureichend ausgerüstet gegen einen zeitweise übermächtigen Feind eine hoffnungslos erscheinende Abwehrschlacht schlagen zu müssen? Wie erlebte er den Tod seiner Kameraden (fast neun Millionen Sowjetsoldaten kostete der Krieg das Leben!), den Umschwung und schließlich den triumphalen Sieg? Merridales profunde Untersuchung zeichnet ein sehr differenziertes Bild vom gemeinen Sowjet-Soldaten, das wenig gemein hat mit den weit verbreiteten Schwarz-Weiß-Klischees vom moralisch reinen Helden oder blutrünstigen Ungeheuer. Ein Bild jenseits des von der kommunistischen Propaganda mit großem Fleiß aufgerichteten Mythos vom sich selbst aufopfernden Patrioten (immerhin bestand die Rote Armee zu 75 Prozent aus Bauern, die die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft um ihr Eigentum gebracht hatte!) -- aber auch jenseits des während des Kalten Krieges im Westen in Umlauf gebrachten Zerrbildes, das -- nicht selten auf der Grundlage rassenideologisch inspirierter Berichte deutscher Kriegsgefangener -- den Iwan als primitiv-grausamen Schlächter erscheinen ließ. -- Andreas Vierecke

Ein Buch über die armen Hunde des Krieges - Mit Iwans Krieg schreibt eine britische Historikerin über die Rote Armee im 2. Weltkrieg. Daß ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist es ein Thema, daß gerade in Westeuropa kaum beachtet wurde. Immerhin war der böse Sowjet-Russe seit 60 Jahren quasi das Feindbild des Westens gewesen und selten hörte man etwas über die Nation, die die mit Abstand größten Opfer zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus hat erbringen müssen.Zum anderen sind britische Historiker oft für ihre oberflächliche Anglozentristik bekannt wenn es um daß Thema 2.Weltkrieg geht. Ginge es nach ihnen, hat der 2.Weltkrieg vor allem in Afrika und auf dem Meer stattgefunden und Monty hat die Deutschen praktisch single-handed besiegt. Ein Buch über die Iwans des 2. Weltkrieges ist daher gerade von einer britischen Historikerin ein überraschender Schritt.Zwar bleibt die Autorin insgesamt etwas zu oberflächlich und handelt manche Schlüsselereignisse (vom Winterkrieg über die Besetzung der baltischen Staaten und Ostpolens bis zum Weltkrieg) etwas zu kurz ab. Dafür bleibt genügend Raum für Kommentare überlebender Frontsoldaten (und Soldatinnen, immerhin dienten in der Sowjetarmee auch Frauen). Diese Kommentare sind dann auch daß Highlight des Buches, denn am Ende wurden diese Kämpfer allein gelassen mit sich und ihren Erinnerungen. Schließlich blieben Wodka, Verdrängung und Folklore die einzigen Hilfen in einem Land, in dem der Soldat nur Masse ist, eben nur der Iwan.

wichtig und gut - die autorin hat ein wichtiges thema in ihrem buch verarbeitet und gut lesbar dargestellt. es mußte erst zum zusammenbruch des sowjetstaates kommen, bis man über den einfachen russischen soldaten so ohne pathos veröffentlichen konnte. man stelle sich vor- diese ruhmreichen soldaten der ruhmreichsten armee der welt (?) scheuen sich noch heute davor, über ihr schicksal im krieg zu reden, weil das einzige, was ihnen blieb, ist der glauben an den eigenen mythos. es ist nur recht und billig, nicht nur den amerikanern und engländern blumenkränze zu flechten, der russische soldat hat das allemal genauso verdient.die autorin baut dem soldaten der sowjetarmee ein realistisches denkmal, ohne den sowjetisch- realistischen glamour. erinnerungen von ehemaligen frontsoldaten spielen eine große rolle. man stelle sich nur einmal vor, man kommt aus einem siegreichen krieg nach hause und wird sogleich ins gefängnis gesteckt, weil man ein potentieller spion ist!! man kämpft gegen einen kriegstreibenden diktator und hat einen eigenen im nacken, für den man nur kanonenfutter ist. unglaublich... zu vermerken ist, dass es sich nicht um ein trockenes sachbuch handelt, es geht auch nicht so sehr um zahlen und karten und tabellen. das macht das buch nicht schlechter...ein wort zu den greueltaten, auf die so gerne von manchen leuten verwiesen wird. in diesem buch sind sie nicht ausgelassen, es wird versucht, diese zu begründen (und es wird nebenbei gesagt ganz und gar nicht vergessen daran zu erinnern, wer den krieg vom zaun gebrochen hatte). letztendlich sollte es uns lehren, dass gewalt immer wieder nur gewalt erzeugt, dass krieg das allerletzte ist was wir auf der welt haben sollten, weil in solch einem konflikt jeder mensch zum tier werden kann, auch noch in der neuzeit (siehe bosnienkrieg oder ruanda).wer sich weiter mit diesem thema beschäftigen möchte, der sollte ohne vorurteil zu den büchern von simonow greifen. seine triologie die lebenden und die toten, man wird nicht als soldat geboren und der letzte sommer gehören wohl zu den besten schilderungen von sowjetischen schicksalen in diesem krieg. sie sind weitgehend frei von falschem pathos, sind von einem russisch denkenden menschen geschrieben, der den krieg nicht am schreibtisch überlebt hat, und sie enthalten tatsächlich eine gute portion kritischer gedanken zum stalinismus dieser zeit, auch zu desertation in der armee, zu fragwürdigen praktiken politischer einheiten usw.

Stalin hat das schlechteste im Menschen gefördert - seit Tschingis Chan tut ein Asiatischer Sieger 3 Dinge, um den Feind vor seinem Tod endgültig zu demütigen:- er vergewaltigt dessen Frau- schläft in dessen Bett (wenn er denn die Zeit dazu findet, oft wird nur wahllos zerstört)- schei..t in dessen Hütte/Wohnungwer sich Bilder von befreiten Städten und Dörfern ansieht, wird genau das vorfindendie meisten Vergewaltigungen fanden im befreiten Osten nicht wegen Notzucht, sondern auf Befehl bzw. aus der Gruppendynamik heraus statt- wurden Städte/Dörfer wieder erobert fiel genau das sinnlose Zerstören der Wohnungseinrichtungen, der Betten und das absichtliche Beschmutzen der Wohnungen/Häuser auf.Die Bolschewisten mussten letztendlich sogar befehlen, die sinnlose Zerstörung und das sinnlose, dadurch nicht minder brutale Töten, einzuschränken, um die organisierte Plünderung von Werten und Verschleppung von Sklaven nicht zu gefährden.Was hier passierte, hatte nichts mehr mit Menschlichkeit zu tun, es war die wahre bolschewistische Fratze. Es war auch nicht Goebbels, der sie schuf, er hat sie nur nach dem Vorbild gezeichnet und nicht einmal übertrieben!

Ein guter Versuch auf einem schwierigen Terrain - Die Autorin hat sich tief in die Gefühls- und Erlebniswelt der Soldaten der Roten Armee begeben und damit eine beachtliche historische Studie geliefert. Auf der einen Seite hat sie sich dabei nicht immer von der untersuchten subjektiven Wahrnehmung im wissenschaftlichen Sinne freimachen können, was sich in Formulierungen über gewöhnliche Wehrpflichtige der Wehrmacht als Nazi-Soldaten und deren vermeintlich generellen Gräueltaten widerspiegelt. Auf der anderen Seite räumt sie eindrucksvoll und gründlich mit den Klischees auf, dass es im Wesentlichen nur grausame Angehörige einer barbarischen, asiatischen Horde oder aber nur glorreiche Helden der ruhmreichen Roten Armee im Großen Vaterländischen Krieg gab.Die quasi erzählerisch dargelegten Erkenntnisse machen das Erlebnis dieses Buches mit seinen Abgründen durchaus lesenswert und werfen ein erstes Licht in einen bisher verschwiegenen Teil der Geschichte.

Revanchistisches britisches Upperclass-Geschribsel - Was versteht eine Britin, auch wenn Sie promovierte Historikerin ist, vom Militär? Gar nichts. Gut vielleicht hat Sie mal an einem Besuchstag ein Regiment der Queen in South Wales besucht, vielleicht sogar mit einem Ghurka gesmalltalkt. Das verleiht ihr aber noch lange keine Legitimation über die Rote Armee im Grossen Vaterländischen Krieg zu schreiben. Und was versteht die Dame von Krieg? Genau. Gar nichts. Gut, vielleicht hat Sie die Ankunft der Invicible nach dem Falklandkrieg in Good old England am TV verfolgt, oder die chirurgische Kriegsführung der Alliance of the Willing (die, mit den vielen Kollateralschäden...) während des 3. Irakkrieges auf BBC bewundert. Aber das verleiht ihr noch lange keine Legitimation über das Leiden des Russischen Volkes und dessen siegreichen Armee, die die faschistische Bestie praktisch im Alleingang in die Knie gezwungen hat, zu schreiben.Das Buch Iwans Krieg von Catherine Merridale ist eine wohl mitunter liebliche, anekdotische Sammlung von Tagebucheinträgen, Briefen und Memoiren russischer Soldaten während des zweiten Weltkrieges, jedoch eingebettet in eine typisch britische, verschrobene Sichtweise der Geschichte, garniert mit teils belanglosem, teils herablassendem, ebenfalls typisch britischem Upperclass-Geschwafel. Das Hinterhältigste und Bösartigste an diesem wertlosen Stück gebundenen Papiers ist jedoch, dass uns die Autorin zu den immensen Verlusten an Leib und Leben, sowie an Hab und Gut auf russischer Seite - sei es nun zivil oder militärisch - glauben machen will, die Russen und ihre Führung hätten das selber verschuldet. Die Gute sollte mal wieder den Geschichtsunterricht auf Sekundarstufe besuchen. Wer bitte hat den Krieg am 22. Juni 1941 in die Sowjetunion getragen? Wachen Sie bitte auf, Frau Merridale!Ein ganzes Kapitel in diesem beleidigenden Schriftstück dreht sich um Vergewaltigungen, die Angehörige der Roten Armee den arischen Überfrauen in Deutschland angetan haben. Wahrlich etwas Verwerfliches. Aber hallo, Frau Merridale, es war Krieg! Und wer hat schon wieder diesen Krieg vom Zaun gerissen? Wer hat sich junge russische Frauen als Mätressen in Regimentsbordellen gehalten? Doch nicht etwa die Deutschen Nazis, oder? Und übrigens: Was haben denn die Herren Kolonialisten britischer Provenienz in Afrika und Indien mit den eingeborenen Frauen angestellt, die Yankees auf den Philippinen und in Vietnam?Das Buch Iwans Krieg ist eine einzige revanchistische Tirade einer frustrierten, perimenopausalen, zynischen und hochnäsigen Historikerin des Empires gegen die Sowjetunion und deren Menschen. Dieses oberflächliche Upperclass-Geschribsel gehört definitiv auf den Abfallhaufen der Geschichtsschreibung.




Iwans Krieg: Die Rote Armee 1939-1945